Sal. Oppenheim - Geschichte einer Privatbank

Vorwort

Sehr verehrte Kunden, liebe Mitarbeiter, werte Freunde unseres Bankhauses,

seit 2014 erscheint unser beliebtes „Blaues Buch“ außer in der gewohnten Printausgabe auch in elektronischer Fassung. Wie Sie selbst erleben können, erschließen wir uns damit zahlreiche Möglichkeiten moderner Kommunikation und Information.

Inhaltlich basiert das E-Book im Wesentlichen auf der aktualisierten achten Auflage des „Blauen Buchs“. Diese erschien Anfang 2011 ganz bewusst in einer besonders sensiblen Phase der Oppenheim Geschichte. Mit dem Übergang auf die Deutsche Bank im März 2010 erlebte Sal. Oppenheim nach sieben Generationen im Mehrheitsbesitz der Gründerfamilie einen gravierenden Einschnitt in seiner an Umwälzungen ohnehin reichen Geschichte. Die erste Ausgabe danach war ein Signal der Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter, ein Symbol für den Erhalt der traditionellen Privatbankkultur, gleichzeitig aber auch Zeichen des Aufbruchs und des Zukunftsoptimismus.

Zweifellos sind die Veränderungen der jüngeren Vergangenheit tiefgreifend. Aber Geschichte ist per se nicht denkbar ohne Wandel und ohne Krisen. Als der junge Salomon Oppenheim sich 1789 in Bonn selbstständig machte, bestand Deutschland noch aus hunderten von Kleinstaaten; Bankiers waren Diener absolutistischer Fürsten und ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Seit diesen Anfangstagen hat die Bank vier Revolutionen, ein halbes Dutzend Kriege und sechs Währungsumstellungen erlebt, hat elf Staats- und Herrschaftssysteme kommen und gehen sehen und sich doch immer behaupten können. Nicht weniger fundamental war der Wandel im Bankwesen vom beschaulichen Kontor des Einzelkaufmanns zu einer mit Hilfe moderner Informationstechnologie global agierenden Branche.

Die Gründerfamilie hatte das Glück, mit der Industrialisierung eine Phase epochalen Wandels mitzuerleben. Wie nur wenige andere Bankiers erkannten und ergriffen die Oppenheims die Chancen, die sich aus der industriellen Revolution ergaben. Gestaltungswille, Zielstrebigkeit und Risikofreude machten sie zu Pionieren der Industriefinanzierung. Besonders nachhaltige Spuren hinterließen sie im Eisenbahnbau, im Versicherungsgeschäft und als Väter der ersten Aktiengroßbanken.

Bei der Fülle der Engagements konnten Gefährdungen und Misserfolge nicht ausbleiben. Aber gerade Krisensituationen forderten die führenden Köpfe heraus, ließen kreative, zukunftsweisende Ideen entstehen. Ein Beispiel: Im Zuge der Revolution von 1848 stand das Kölner Bankhaus Abraham Schaaffhausen, damals eine der bedeutendsten Banken des Rheinlands, vor dem Konkurs. Dieser hätte Sal. Oppenheim und viele andere rheinische Unternehmen wohl mitgerissen. Die Oppenheim Bankiers und einige Mitstreiter entschlossen sich zu einer Aufsehen erregenden Rettungsaktion, indem sie das gefährdete Bankhaus in die erste Aktienbank Deutschlands umwandelten, den A. Schaaffhausen’schen Bankverein. An dessen ehemaliger Stätte befindet sich heute unser Kölner Stammhaus; die Bank selbst ist nach mehreren Fusionen in der Deutschen Bank aufgegangen.

Sal. Oppenheim hat in seiner Geschichte schon viele Umbrüche gemeistert. Die jüngsten Veränderungen sind daher aus historischer Sicht nichts Neues, wenn damit die Notwendigkeit und Fähigkeit zum Wandel gemeint ist. In einer sich unaufhörlich ändernden Welt besteht ein Unternehmen nur, wenn es bereit ist, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Sal. Oppenheim hat die Anpassung an die veränderte Eigentümerstruktur vollzogen und sich neu aufgestellt. Die Bank konzentriert sich wieder auf ihr Kerngeschäft der privaten und institutionellen Vermögensverwaltung. Sal. Oppenheim agiert als eigenständiges Bankhaus und kombiniert zwei Aspekte erfolgreich miteinander: die stabile Grundlage der Konzernmutter und die Flexibilität und Innovationskraft eines kleinen Instituts.

Meine Vorstandskollegen und ich sind besonders stolz darauf, dass Kunden und Mitarbeiter Sal. Oppenheim auch in Zeiten der Veränderung die Treue bewahrt haben. Den aufmerksamen und nachhaltigen Dialog mit ihnen empfinden wir als eine unserer Kernaufgaben. Für die Mitarbeiter ist die Geschichte unseres Unternehmens ein zentraler Aspekt ihrer Identität. Ihr großer Schatz an Erfahrung ist mitentscheidend für die weitere Entwicklung der Bank. Auch in Zukunft hängt der Erfolg von dem Zusammenspiel aller Kräfte ab, die in der Bank und für die Bank aktiv sind. Ich freue mich darauf, die Herausforderungen in Angriff zu nehmen.

Martin Renker,
Vorsitzender des Vorstands